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Linkskurve, Rechtskurve, wieder links. 100 Kilometer pro Stunde, windschnittige Haltung, Hinterrad an Vorderrad. In so einer Abfahrt darf kein Fehler passieren, mit ein paar blauen Flecken wäre es meist nicht getan. Doch genau der Fehler, der nicht passieren sollte, passiert. Der Fahrer verpasst die Kurve. Schießt über die Straße hinaus, den steilen Abhang hinunter.

An der Strecke und in der live-Übertragung wird es still. Die Zuschauer halten den Atem an. Entsetzen. Dann, wenige Sekunden später, ein Fahrrad taucht am Abhang auf, dahinter Jan Ullrich. „Ist was?!“ scheint er zu fragen, setzt sich auf den Sattel und ab geht die Post.

Le Tour de France: Das berühmteste, berüchtigste, bekannteste Radrennen der Welt

Die Szene aus der Tour de France, ist vielen Radfans im Gedächtnis geblieben. Nur eine der vielen Episode der berühmtesten Radrundfahrt der Welt. Von Anfang bis Ende Juli quält sich das Fahrerfeld Kilometer für Kilometer durch ganz Frankreich.Tag für Tag, knapp 3500 km.

Das Rennen ist ein multimediales Spektakel, weltweit übertragen. La Grande Boucle („Die Große Schleife“), wie die Tour auch genannt wird, ist das berühmteste und renommierteste Radrennen der Welt.

Seit 1903 sorgt es für brennende Oberschenkel und Waden, fasziniert Radsportfans auf der ganzen Welt und sendet beeindruckende Bilder in die Wohnzimmer derjenigen, die nicht live am Streckenrand stehen können.

20 Etappen à 150 – 250 Kilometer… mon Dieu!

Dabei würde sich auf einer der zahlreichen Etappen bestimmt noch ein guter Platz finden um das Fahrerfeld, das Péloton, zu bestaunen. Insgesamt 20 Etappen bilden eine Tour, jede Tagesstrecke zwischen 150 und 250 Kilometer lang. Die Tour führt die Fahrer und ihren Tross an Offiziellen, Ärzten, Physiotherapeuten und Co. vom Norden Frankreichs in den Süden, durch die Alpen und die Pyrenäen. Die Bergetappen in den Gebirgen sind dabei ein besonders umjubelter Zuschauermagnet. Die Straße bildet einen tosendes, wogendes Meer aus Fahnen, Plakaten und frenetischen Fans. Fantastische Bilder! Die Fans, so scheint es manchmal, schieben die Fahrer regelrecht die letzten Meter zur Bergwertung empor.

Unterschiedliche Steigungsgrade sorgen hier für verschiedene Berg-Kategorien, die dementsprechend viele Punkte in der Bergwertung einbringen. Hier lohnt sich das Schwitzen, denn das rot-weis gepunktete Trikot des Bergspezialisten ist eines der begehrtesten auf der Tour.

Rot gepunktet, Grün, Weiß – und natürlich Gelb: Das Farbenspektrum der Tour de France

Doch nicht nur das: Auch das Grüne Trikot des Führenden in der Sprintwertung und das Weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer sind Objekte der Begierde. Und – natürlich: Das Gelbe Trikot. Der Traum aller Tour-Teilnehmer, ein Mythos in der Fahrradwelt. Getragen vom Führenden in der Gesamtwertung, dem Fahrer mit der geringsten Gesamtzeit. Seit 1919 ermöglicht es den Zuschauern den Überblick zu behalten, im unübersichtlichen Péloton oder einem nervenaufreibenden Massensprint.

Ankunft nach 3 Wochen: Les Champs-Élyées

A propros Massensprint. Während viele Etappen durch Ausreißer aus dem Hauptfeld gewonnen werden, gehört es praktisch zum guten Ton der Tour, die letzte Etappe in einem gepflegten Massensprint ausklingen zu lassen. Die letzte Etappe, das Ziel der Fahrer, der Champs-Élysées im Zentrum der französischen Hauptstadt. Hier beglückwünschen sich die Fahrer schon während der letzten Kilometer mal mit einem Gläschen Sekt, bis es dann nach einigen Runden auf der berühmtesten Flaniermeile von Paris ein letztes Mal zur Sache geht.

Dabei ist die Tour de France natürlich nicht das letzte Radrennen des Jahres – und auch nicht das erste. Die Rennradsaison fängt na schon deutlich früher an, die Hardcore-Fans verfolgen schon zu Beginn des Jahres die ersten Rennen. Vor allem die „Klassiker“, die Eintages-Rennen, spielen am Anfang der Saison eine wichtige Rolle. Trotzdem, nach der Tour de France ist für die Fahrer erstmal Erholung angesagt. Wenigstens ein paar Tage.

Frankreich zu Gast in Deutschland: Der Prolog 2017 startet in Düsseldorf

Übrigens die Tour 2017 startet nach einigen Jahren der Abstinenz mal wieder in Deutschland. In Düsseldorf. Wer also die Tour de France mal hautnah erleben möchte: Hier bietet sich eine Chance. Auch wenn das richtige Tour-Feeling wahrscheinlich doch eher in den Bergen der Pyrenäen oder Lavendelfeldern der Provence aufkommt…